MARKTKALENDER KUNSTHANDWERK AUSTRIA 2014  •  EDITORIAL von Gottfried Schmuck

Glück und Glas...

...verbindet nicht nur die Zerbrechlichkeit, auch das Strahlen ist beiden gemeinsam. Mit der Erfindung des Glases kamen neue Qualitäten des Leuchtens und Funkelns, des Licht- und Farbenspiels in die Welt, aber auch ein Material mit besonderen Eigenschaften, die ihm einen herausragenden Platz in der Ausgestaltung der menschlichen Umwelt ermöglichten.

Die Ursprünge der Glaserzeugung liegen in Mesopotamien und gehen auf das 4. Jahrtausend v. Chr. zurück. Die frühesten Funde von Glasperlen und anderen kleinen Glasobjekten lassen sich auf ca. 3000 v. Chr. datieren. In Kleinasien und Ägypten entwickelte sich in der Folge die organisierte Herstellung und Verarbeitung von Glas und es entstanden kunstvolle Gefäße und Ziergegenstände. Mit der Erfindung des Glasblasens im 1. Jh. v. Chr. konnte die Produktion stark gesteigert werden und Glasgegenstände wurden in der Römerzeit Teil des Alltags.

Größere technische Neuerungen gab es ab Beginn der Neuzeit, in erster Linie in Venedig, deren Insel Murano sich mehrere Jahrhunderte lang als Zentrum der Glaskunst etablierte. Spezialitäten dieser Werkstätten waren Gefäße aus dünnwandigem farblosen Kristallglas mit aufwändig geformten Verzierungen, aber auch verspielte und filigrane Gestaltungen mit vielen Farbmischungen. In den Glaszentren nördlich der Alpen verlegte man sich auf die Herstellung dickwandiger Gläser, da die Verzierung von Oberflächen in Mode kam und Techniken des Glasschnitts und Glasschliffs angewendet wurden. Im Jugendstil führte die Verbindung von hochentwickelten Handwerksfertigkeiten mit frischer, origineller Form- und Farbsprache zu einer Hochblüte des Glas-Kunsthandwerks, die bis heute Maßstäbe setzt. Hier ist auch L. C. Tiffany zu erwähnen, den die nach ihm benannte Technik der Verbindung von Glasteilen zu dreidimensionalen Gebilden weltberühmt machte.

Im Zuge der Industrialisierung wurde ab der Mitte des 19. Jh.s die Glasherstellung und -verarbeitung
zunehmend mechanisiert und schließlich automatisiert. Dies ermöglichte die Massenproduktion von Gläsern, Flaschen und anderen Glaswaren, aber auch die standardisierte Fertigung von Fensterglas. Das Glas-Kunsthandwerk hat dadurch an Bedeutung verloren, was die Produktivität anbelangt, dennoch gibt es zeitlose Nachfrage nach liebevoll hergestellten Unikaten: mundgeblasenen Weingläsern, Schmuck mit Wickelperlen, Glasmalerei, Tiffany lampen oder einer mit Fusing-Technik geformten Schale...

Das grafische Erscheinungsbild des Kalenders
spiegelt unser Thema Glas wider: eine Lampe
des Glaskünstlers Siegmar Pargfrieder wird hier
bildhaft integriert. Pargfrieder, der auf
verschiedenste Techniken der Glasbearbeitung,
vor allem das Fusing, zurückgreift, wechselt
beim  Schaffen seiner Arbeiten in eine zeitlose
Dimension.  Ebenso „zeitfrei“ ist für den Künstler
auch das Material Glas, das sich immer wieder
in neuer Form inszenieren lässt. Glas und Licht
verschmelzen zum Gesamtkunstwerk und
eröffnen architektonische Freiräume.

www.pargfrieder.com

GlaskünstlerInnen können heute aus einem reichen Fundus von Arbeitstechniken schöpfen, sich von der großen Stilvielfalt der Glaskunst inspirieren lassen und sind mit Materialien und technischer Ausrüstung so gut wie nie zuvor ausgestattet. Im Moment des Formens von schmelzendem Glas und wenn das Werk gelingt, teilen sie das Gefühl des Flow-Zustandes mit ihren KollegInnen aus vergangenen Zeiten:
Glas bringt Glück.

 

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Kommentar von Sonja Troppe am 28. April 2014 um 7:42

Ich finde diese Art Glas ins Licht zu rücken sehr schön.

Glas sollte viel mehr eingesetzt werden.

Kommentar von Pavel Doležal am 20. Februar 2015 um 19:11

Guten Tag, ich arbeite mit handgeätztem Glas und bin von der Eigenshaften dieses Mediums begeistert. Danke für diesen netten Erkurs und nehmen Sie Einladung zu meinen Bildern.

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